Andere psychologische RichtungenVor allem in den jungen Jahren der Psychologie bestand eine enge Beziehung zur Philosophie. Dies gilt für Europa noch in erheblich stärkerem Maße als für die USA, in der schon im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert eine deutlich stärkere Orientierung an den Naturwissenschaften erfolgte, während in Deutschland noch lange die meisten psychologischen Ordinarien studierte Philosophen waren, die philosophische Lehrstühle inne hatten. Nicht von ungefähr sind hierzulande viele psychologische Institute auch heute noch an den philosophischen Fakultäten beheimatet. Von Anfang an war das Verhältnis beider Fächer aus fachlichen wie aus berufspolitischen Gründen jedoch sehr gespannt. Eine für die Psychologie wichtige philosophische Richtung im 19. Jahrhundert war der Assoziationismus, dessen Wurzeln bis in die griechische Antike zurückreichen. Seine Gedankeninhalte beeinflussten Psychologen wie Hermann Ebbinghaus oder Wilhelm Wundt (1832-1920). Letzterer brachte mit der Begründung der Leipziger Schule und seiner Elementenpsychologie entscheidende Impulse für die Etablierung experimenteller Methoden in der Psychologie. Angelehnt an andere naturwissenschaftliche Richtungen war es ein zentrales Ziel Wundts, das Seelenleben in seine grundlegenden Elemente zu zerlegen. Mit dieser Auffassung steht er den Grundansichten der Gestaltpsychologie diametral entgegen. Sein Aufsatz Die Psychologie im Kampf ums Dasein ist ein Beispiel für die problematische Beziehung zwischen Philosophie und Psychologie. Eine zentrale Persönlichkeit der frühen amerikanischen Psychologie war William James (1842-1910). Er richtete an der Harvard Universität das erste psychologische Institut der USA ein. James vertrat philosophisch den Pragmatismus, psychologisch einen funktionalistischen Ansatz und richtete sich gegen Assoziations- und Elementenpsychologie. Neben den bislang angesprochenen Klassikern aus der 'Frühzeit' der Psychologie etablierten sich auch im fortgeschrittenen 20. Jahrhunderts neue psychologische Richtungen. So kann die ab den 60er Jahren populäre humanistische Psychologie inzwischen ebenfalls als Klassiker der Psychologie bezeichnet werden. Aus ihrer Sicht verkürzt die 'erste Kraft der Psychologie', der Behaviorismus, den Menschen zu einer 'großen Ratte' während die 'zweite Kraft der Psychologie', die Psychoanalyse, einem einseitig negativen Menschenbild zuneigt. Die humanistische Psychologie versteht sich selbst als 'dritte Kraft' der Psychologie. Sie stellt das Streben nach Selbstverwirklichung und das 'Gute' im Menschen in den Vordergrund. Da die humanistische Psychologie mit den methodischen Anforderungen einer experimentellen Psychologie in Konflikt steht, führt sie in akademischen Kreisen trotz ihrer populären Beliebtheit ein Außenseiterdasein. |
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