Attribution

Warum habe ich die Klausur nicht bestanden? Wieso beleidigt mich meine Freundin? Warum konnte gerade ich im Lotto gewinnen?  Die Frage nach dem "Warum" spielt in unserem alltäglichen Leben eine große Rolle. In der psychologischen Fachsprache wird dieser Vorgang der Ereigniserklärung auch als Attribution bezeichnet. Attributionstheoretische Ansätze versuchen, die Hintergründe der Bildung von Attributionen und deren Auswirkungen näher zu bestimmen. 

Ihre Grundlegung erfuhr die Attributionstheorie mit den Arbeiten von Fritz Heider in seinem Werk "The Psychology of Interpersonal Relations" aus dem Jahre 1958. Heider sah den Alltagsmenschen als naiven Wissenschaftler an, der beobachtbares Verhalten durch nichtbeobachtbare Ursachen erklärt. Eine wichtige Unterscheidung ist die, ob die Ursachen für das Verhalten innerhalb (Fähigkeit, Anstrengung) oder außerhalb (Aufgabenschwierigkeit, Glück) der Person gesehen werden. Man spricht auch von internaler und externaler Attribution. Heiders Ansatz wird oft als zu wenig systematisiert angesehen, er war aber von großer programmatischer Bedeutung für die spätere Forschung.

Auf der Grundlage von Heiders Arbeit folgten mehrere Systematisierungsversuche. Ein wichtiger stammt von Jones & Davis (1965) mit ihrer Theorie der korrespondierenden Schlussfolgerungen. Nach diesen Autoren wird im Prozess einer Verhaltenserklärung zunächst geprüft, ob ein Verhalten absichtsvoll ausgeführt wurde. In einem zweiten Schritt erfolgt die Zuschreibung dispositioneller Persönlichkeitsmerkmale. 

Einflussreicher war das ANOVA-Modell von Harold H. Kelley aus dem Jahre 1967. Nach diesem erfolgt die Zuschreibung einer Ursache vor allem nach der Analyse dreier Gesichtspunkte: Zeigen verschiedene Personen das gleiche Verhalten? Wird zu verschiedenen Zeitpunkten das gleiche Verhalten gezeigt? Wird das Verhalten auch durch andere Reize ausgelöst? Diese drei Dimensionen werden als Konsensus, Konsistenz und Distinktheit bezeichnet. Die Ursache wird nach dem Kovariationsprinzip, die an das mathematische Prinzip der Analysis-of Variance Methode angelehnt ist, ermittelt. Demnach wird auf eine Bedingung attribuiert, die vorhanden ist, wenn der Effekt (das Verhalten) vorhanden ist und die ausbleibt, wenn der Effekt nicht vorhanden ist. Beispiel: In einer Schlittschuhtrainingsgruppe fällt nur Tom hin (Konsensus: niedrig), er fällt regelmäßig hin (Konsistenz: hoch), er ist auch auf Skiern und Rollschuhen unsicher (Distinktheit: niedrig). Dann liegt der Schluss nahe, dass Tom eine motorisch unsichere Person ist. 

Zu diesen drei Ansätzen finden Sie kurze Skizzen auf einer Seite von Prof. Dr. Christoph Perleth.

Eine wichtige Weiterentwicklung leistete Bernard Weiner in seinem Modell zur Kausalattribution. In expliziterer Form als Heider unterschied er drei Faktoren, welche die Attribution beeinflussen: Neben der Lokation (internal-external) auch die Stabilität sowie die Kontrollierbarkeit (ist die Handlung kontrollierbar) der Ursachen. Wichtig war Weiners Arbeit auch deshalb, weil er die Auswirklungen von Attributionen auf Emotionen sowie auf Verhaltensweisen herausarbeitete.

Eine andere als bei Sozialpsychologen übliche Modellierung von Kausalattributionen finden Sie in einem Artikel von van Overwalle und van Roy. Diese Autoren arbeiten mit Netzwerkmodellen, einem Ansatz, der in der kognitiven Psychologie eine zunehmende Bedeutung genießt.

Ein Spezialfall der Attribution, das im Feld der Wahrnehmungspsychologie eine große Rolle spielt, ist die phänomenale Kausalität, wie sie von Albert Michotte behandelt wurde.

Einen weiteren kurzen Überblick zu dem Feld der Attribution finden Sie auch auf den Seiten von Prof. Dr. Wintermantel. Umfassend wird das Feld der Attributionsforschung in dem Originalbuch Attribution: Perceiving the causes of Behavior von Edward E. Jones, David E. Kanhouse, Harold H. Kelley, Richard E. Nisbett, Stuart Valins, Bernard Weiner dargestellt.

Im weiteren Umfeld zu dem Thema Attribution beachten Sie bitte auch die Sparten Einstellungen dieses Lernportals, sowie Motivation und Lernen des Lernportals zum Kurs 03250. 


Inhalte


Attribution - ein Einführung

 

Attribution


Inhalt

Ein kurzer Überblick zu den attributionstheoretischen Ansätzen von Heider, Jones und Davis sowie Kelley mit einigen Kontrollfragen.

Autoren/ Quelle

Prof. Dr. Christoph Perleth, Univ. Rostock

Anmerkungen/ weitere Seiten

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Wichtige Literatur

Heider, F. (1958). The Psychology of Interpersonal Relations. New York: Wiley. 

Jones, E. E., & Davis, K. E. (1965). From acts to dispositions: The attribution process in person perception. In L. Berkowitz (Ed.), Advances in experimental social psychology, Volume 2 (pp. 219-266). New York: Academic Press.

Kelley, H. H. (1973). The processes of causal attribution. American Psychologist 28:107-128. 

Bernard Weiner


Attributionsansatz von Weiner


Inhalt

Eine Einführung zu Weiners Schema der Kausalattribution.

Autoren/ Quelle

Prof. Dr. Wolfgang Schnotz, Univ. Koblenz Landau

Anmerkungen/ weitere Seiten

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Wichtige Literatur

Weiner, B. (1986). An attributional theory of motivation and emotion. New York: Springer.

Originaltext

Quelle: www.nok.de/komitee/erziehung/brosch_1998/ 98pentathlon2.htm
 

Attribution: Perceiving the causes of Behavior


Inhalt

Ein Originalbuch von zentralen historischen Personen der Attributionsforschung

Autoren/ Quelle

Edward E. Jones, David E. Kanhouse, Harold H. Kelley, Richard E. Nisbett, Stuart Valins, Bernard Weiner, Internet Archive

Anmerkungen/ weitere Seiten

Der Text ist mehreren Formaten verfügbar. Die Downloadzeit kann wegen des Textumfanges beträchtlich ausfallen! Also Vorsicht bei einem analog Modem. Gesamtumfang: 200 Seiten. 

 

Netzwerkmodell der Kausalattribution

 

A connectionist approach to causal attribution


Inhalt

Ein Artikel zum Nutzen des konnektionistischen Ansatzes in der Modellierung von Prozessen der Kausalattribution.

Autoren/ Quelle

Frank Van Overwalle, Dirk Van Rooy, Universität Brüssel

Anmerkungen/ weitere Seiten

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