BehaviorismusDer zu Beginn des 20. Jahrhunderts maßgeblich von John B. Watson (1878-1956) und Edward Lee Thorndike (1874-1949) begründete Behaviorismus versteht die Psychologie als Zweig der strengen Naturwissenschaften. Nur das äußerlich sicht- und messbare Verhalten wird als legitimer Gegenstandsbereich der Psychologie gesehen. Gefühl und Erleben sind damit aus dem Gebiet der Psychologie ausgeklammert. Schon allein aus diesem Grunde stieß der klassische behavioristische Ansatz in der den Geisteswissenschaften sehr verbundenen europäisch-kontinentalen Psychologie auf heftige Ablehnung, während er in den USA rasch große Bedeutung erlangte. Der klassische Behaviorismus arbeitet mit einem einfachen Stimulus-Response (S-R) Schema. Das heißt, es werden Kontingenzen (Zusammenhänge) zwischen einem äußeren Reiz (z.B. ein Klingelzeichen) und einer sichtbaren Reaktion (z.B. Speichelfluss) untersucht. Vor allem Lernprozesse standen damit im Zentrum des Interesses. Der russische Physiologe Iwan Pawlow (1849-1936) lieferte mit seinen Reflexversuchen an Hunden wichtige Vorarbeiten zur Entstehung dieser Richtung. Er erhielt 1904 den Nobelpreis. Es zeigte sich schon früh, dass die dem klassischen Behaviorismus zugrunde liegende mechanistische Verkürzung psychologischer Zusammenhänge auf ein S-R Schema erhebliche Einschränkungen mit sich brachte. Die beträchtliche interindividuelle und intraindividuelle Varianz im Verhalten konnte damit nur unzulänglich erklärt werden. Daher wurden auch Annahmen über vermittelnde kognitive Prozesse zugelassen, ohne jedoch zentrale behavioristische Grundlagen und Methoden aufzugeben. Das S-R Schema wurde um eine Organismusvariable zum S-O-R Schema erweitert. Wichtig sind Beiträge von Clark L. Hull (1884-1952), Burrhus Frederic Skinner (1904 - 1990) oder Edward C. Tolman (1886-1959). Die Etablierung des sogenannten Neobehaviorismus war ein wichtiger vorbereitender Schritt zum Vollzug der 'kognitiven Wende' in der Psychologie. Gefühl und Erleben wurden erneut zum legitimen Untersuchungsbereich in behavioristisch orientierten Forschergruppen, wenngleich unter anderen methodischen und theoretischen Auffassungen als zu Beginn des Jahrhunderts. |
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